Wirtschaft und Arbeit

Erikli: Gründerinnen in Baden-Württemberg fördern

Die gesamte Rede finden Sie am Ende dieser Seite.


Kreativ, innovativ, mutig – dabei selbstbewusst und nachhaltig denkend. So sind viele Frauen in unserem Land" sagt unsere Sprecherin für Innovation, Nese Erikli, in ihrer Rede zum Thema Gleichstellung in der Start-up Förderung: Gründerinnen in Baden-Württemberg.

„Früher hieß es stattdessen: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.“ Oder anders gesagt: Ohne Bertha Benz, kein Weltkonzern Mercedes Benz.

Diese Zeiten sind nicht nur längst vorbei. Es hat sie vermutlich nie gegeben! In Wahrheit galt nämlich schon vor 150 Jahren: Ohne Margarte Steiff kein Knopf im Ohr. Und die Leistungen von Frauen in innovativen Bereichen sind heute nicht minder herausragend: Nimmt man unser Nachbarbundesland in den Blick, kommt unwillkürlich Özlem Türeci in den Blick, die als Start-up-Unternehmerin bei BioNTech zusammen mit anderen einen schnellen Corona-Impfstoff entwickelte.

Ungleichbehandlung in der Start-up-Branche

Zur Wahrheit gehört auch: Wenn nur jedes siebte Start-up durch eine Frau gegründet wird, dann sollte das Anlass sein, hieran etwas zu ändern. Die Gründe sind so vielfältig wie komplex. Ein wesentlicher Faktor liegt sicherlich darin, dass Frauen einen höheren Einsatz bei der Betreuung von Kindern oder in den Familien übernehmen – viele, weil sie es so wollen, aber auch viele, weil es nicht anders geht. Damit fehlt zahlreichen Frauen schlicht die Zeit für eine berufliche Karriere als Gründerinnen. Gleichzeitig haben sie zum Teil auch nicht den erforderlichen Zugang zu den Netzwerken – hier wirkt sich eine vor allem von Männern dominierte Wirtschaftswelt zu ihrem Nachteil aus, inklusive der bekannten, bestehenden gesellschaftlichen Defizite wie gläserner Decke und Gender-Pay-Gap. Außerdem sind wir in der glücklichen Situation eines gesunden Arbeitsmarkts – viele Baden-Württembergerinnen haben einen gut bezahlten Job. Hohe Beschäftigungsquoten bringen gemeinhin niedrigere Gründungszahlen mit sich.

Wagniskapital ist das nächste wichtige Stichwort. Hinter den meisten Start-ups stehen Business Modelle und zum erfolgreichen Wachsen braucht es Geld, jedoch erhalten von Frauen geführte oder gegründete Start-ups deutlich seltener Wagniskapital. Diverse Studien lassen den Schluss zu, dass bei vergleichbaren Start-ups Männerteams den Zuschlag erhalten. Das ist nicht nur ungerecht und diskriminierend, sondern wirtschaftspolitischer Unfug.

„Start-Up BW“ Kampagne

Schauen wir darauf, was gerade im Start-up-Land Baden-Württemberg passiert, um die bestehende Situation zu ändern. Wir Grüne haben gemeinsam mit unserem Koalitionspartner in den vergangenen Jahren nicht nur Probleme erkannt. Wir gehen ihre Lösung auch mit weitreichenden Maßnahmen an – gebündelt in einem eigenen Handlungsfeld innerhalb der landesweit erfolgreichen Kampagne „Start-up BW“.

Wir wollen mit dem vorliegenden Antrag die Situation verbessern. Wir holen Gründerinnen in ihrer spezifischen Lebenssituation ab, bieten passgenaue Fördermaßahmen an und bündeln sie auf einer zentralen „Women’s-Plattform“ auf startupbw.de:

  • Welche Veranstaltungen und Seminare, welche Kongresse und Tagungen richten sich auch oder ganz besonders an Frauen: Wo finden regionale Frauenwirtschaftstage statt?
  • Welches der landesweit 60 Unternehmerinnen-Netzwerke befindet sich vor der eigenen Haustür?
  • Welcher Wettbewerb nimmt Gründerinnen in den Blick?

Dank des „Female Founders Cup“ haben sich dieses Jahr bereits zum dritten Mal mehrheitlich weiblich geführte Jungunternehmen aus Baden-Württemberg mit einem Pitch der Öffentlichkeit präsentiert. Über das digitale Portal stellt die bundesweite Gründerinnenagentur 200 Coaches, Mentorinnen und Mentoren oder Expertinnen und Experten zur Verfügung.

Sie unterstützen bei der Gründung – und zwar egal, in welcher Phase sich die jeweilige Idee gerade befindet oder in welcher Branche sich die künftigen Unternehmerinnen selbst betätigen wollen und dabei anderen Menschen eine Arbeit geben!

Was muss sich ändern?

Wie sich aus einschlägigen Untersuchungen ergibt, gründen Frauen nicht weniger erfolgreich als Männer, aber – so die bisherigen Erkenntnisse – sie gründen anders. Wiederum gründen auch nicht alle Frauen gleich. Für uns heißt das: Wir holen Studierende oder frisch ausgebildete Berufsanfängerinnen in ihrer jeweiligen Lebensphase ab. Wir sprechen aber genauso fest im Beruf etablierte Frauen an, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen. Mit Highlights wie der demnächst stattfindenden „Start-up BW Night“ am 22. Juli zeigt das Land, was Gründerinnen und Gründer bei uns im Südwesten möglich ist. Das werden wir künftig noch weiter forcieren. Neben der ökonomischen Fairness und dem grundlegenden Ziel der Gleichbehandlung geht es vor allem auch darum, bislang ungenutzte Potenziale abzuschöpfen und jeder Frau, die über eine erfolgversprechende Idee für eine wirtschaftliche Unternehmung verfügt, die Möglichkeit zu eröffnen, diese auch zu realisieren.

Unsere Regierung nimmt sich in der Strategie erfolgreiche Start-ups zum Vorbild: Sie orientiert sich eng an den Bedürfnissen von Gründungswilligen, justiert immer wieder nach, wenn unsere Angebote noch nicht passgenau funktionieren. Frei nach der modernen Start-up-Mentalität: Ausprobieren, messen, lernen und beim nächsten Mal noch besser werden!

Wir Grüne werden nicht nachlassen, mit Anträgen wie diesem die Themen Gleichstellung und Geschlechterverteilung auch bei der Start-up-Förderung in unserem Land voranzubringen.

Ich sage nicht: Starke Frauen braucht unser Land.
Ich sage: Starke Frauen hat unser Land.
Lassen wir ihre Stärken, ihren Erfindungsreichtum und ihre Schaffenskraft auch in der Start-up-Initiative stärker zur Entfaltung kommen!“