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E-Fuels: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die gesamte Rede finden Sie am Ende der Seite.


,,Wir tanken einfach synthetische Kraftstoffe und dann ist die Welt in Ordnung." Leider ist die Sache nicht so einfach, wie sich die FDP sie sich erträumt. Zum einen: es gibt diesen synthetischen Kraftstoff schlicht nicht in ausreichender Menge, auch nicht für eine Beimischung!

Energieverbrauch

Zum anderen: Schon ein einfacher Blick auf die simplen Gegebenheiten zeigt: wenn man tatsächlich zu 100 % klimaneutralen synthetischen Kraftstoff tankt, ist das für den Normalbürger schlicht unbezahlbar. Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe braucht die fünffache Energiemenge wie ein Elektrofahrzeug beim Direktbetrieb, von dem Transport des eDiesels einmal abgesehen.

Mit der Energie für einen E-Fuel-Verbrenner können also mindestens 5 Elektrofahrzeuge betrieben werden.  Dass die Herstellung synthetischer Kraftstoffe dann billiger sein soll, als der direkte Stromverbrauch, der nach Auffassung der FDP viel zu teuer ist, ist barer Unsinn. Claudia Kempfert, Ökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft bringt es auf den Punkt. E-Fuels zu verbrauchen ist wie Duschen mit Champagner. Beides ist weder sinnvoll noch zielführend. 

Klimaschutz

Wir brauchen für einige Fortbewegungsmöglichkeiten, vor allem im Luftverkehr, alle Technologien um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das bestreitet niemand. Auch Brennstoffzellenantriebe und synthetische Kraftstoffe, strombasiert mit erneuerbaren Energien hergestellt, werden zum Einsatz kommen müssen. Deshalb haben wir mit den Roadmaps für Wasserstoff der Umweltministerin Thekla Walker und für E-Fuels des Verkehrsministers Winfried Herrmann schon seit vielen Jahren das ganze Themenspektrum klimaverträglicher Antriebe abgedeckt.

Der Klimaschutz ist nach wie vor unsere vornehmste Aufgabe, nicht nur, weil wir schon aufgrund der Gesetze dazu verpflichtet sind. Erst gestern hatte die erste Klimaschutzklage am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Erfolg. Es gibt klare Ziele aus Paris, im Bund und auch im Land, die im Sektor Verkehr bis heute leider gerissen werden. Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, müssen verlässlich verfolgt werden und nicht ständig in Frage gestellt werden. Die Autoindustrie hat sich in den letzten Jahren völlig zu Recht auch genau darauf eingestellt.

Tschüss Verbrenner!

Jetzt und in dieser Situation, die Diskussion über einen Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Verbrenner zu eröffnen, ist pures Gift für die Wirtschaft, insbesondere die Autoindustrie in Baden-Württemberg! Deshalb werden Ole Källenius und auch der VW-CEO Oliver Blume nicht müde, ein Ende der dauernden Diskussionen um das Verbrenner-Aus zu fordern. Mit einer solchen Diskussion wird der Industrie in Deutschland aufgezwungen, den bisherigen Doppelweg zwischen Verbrenner und Elektromobilität weiter zu gehen und doppelt zu investieren, während die chinesische Industrie sich auf eine einzige Technik konzentrieren kann. Während die Deutsche Industrie so gezwungen wird, sich weiter zu verzetteln, kann von den chinesischen Herstellern das Auto der Zukunft mit Macht, Geld und Manpower immer weiter perfektioniert werden.

Gerade jetzt gilt es, dem Markt und den Menschen und damit der deutschen Autoindustrie die Sicherheit einer klaren Orientierung zu geben.

Ich fasse das mal zusammen:

Ihr wiederholt hier im Plenum vorgetragener Vorwurf, die Landesregierung sei nicht technologieoffen und wehre sich gegen synthetische Kraftstoffe, ist und bleibt falsch. Technologieoffenheit heißt aber nicht Technologieblindheit. Klimaschutz braucht eine schnelle Antriebswende, und die gelingt nur mit verfügbaren und effizienten Technologien. Im Pkw ist das der Batterieantreib. Ihre Forderung nach einem Aus für das Verbrenner-Aus ist zum einen im Landtag falsch platziert, weil das in Brüssel entschieden wird. Zum anderen ist diese Forderung klimapolitisch kontraproduktiv, ökologisch und ökonomisch toxisch und gefährdet die Transformation der Industrie in unserem Land. Von einer Partei, die sich wirtschaftlichen Sachverstand auf die Fahnen geschrieben hat, hätte ich anderes erwartet.

Ich kann sie daher hier und heute nur dazu auffordern, ihren ideologisch, getriebenen Hass gegen die Elektromobilität endlich abzulegen und zurückzukehren, zu einer vernünftigen Klimaschutz– und Wirtschaftspolitik.