Automobilwirtschaft im Wandel: Jetzt die richtigen Weichen stellen
Die Automobilwirtschaft steht unter Druck, tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Umso dringlicher ist die Frage, wie industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze auch in Zukunft in Baden-Württemberg erhalten werden können. Bei unserer Fraktionsklausur in Leimen haben wir deshalb mit Vertreter:innen der Automobilwirtschaft über die Zukunft der Branche beraten.
Beim Runden Tisch wurde deutlich: Politik und Unternehmen stehen gleichermaßen vor wichtigen Aufgaben. Internationaler Wettbewerb, geopolitische Spannungen sowie hohe Energie- und Arbeitskosten erhöhen den Handlungsdruck. Gleichzeitig befindet sich die Branche mitten im technologischen Wandel.
Zukunftstechnologien in Baden-Württemberg stärken
Elektromobilität, Batterietechnologie, Software, Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren gehören zu den zentralen Zukunftsfeldern. Entscheidend ist, neue Technologien nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch in industrielle Produktion und relevante Stückzahlen zu bringen. Dafür braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen.
“Die Automobilindustrie ist für Baden-Württemberg weit mehr als eine Branche unter vielen”, so Tayfun Tok, unser Sprecher für Standortpolitik. “Hunderttausende Menschen arbeiten direkt oder indirekt für sie. Deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass Wertschöpfung, Know-how und gute Arbeitsplätze auch morgen noch hier zu Hause sind. Es muss endlich auch möglich werden, die Regionen zu fördern, die die europäische Integration getragen haben. Die EU muss für unsere Unternehmen einen fairen Wettbewerb herstellen, es braucht die richtigen Bedingungen für Investitionen.”
Wir als Grüne wollen damit erreichen, dass Baden-Württemberg auch künftig ein starker Industriestandort bleibt. Gerade kleine und mittlere Zulieferunternehmen brauchen Unterstützung, um den technologischen Wandel mit ihren finanziellen und personellen Möglichkeiten bewältigen zu können.
Wie groß der Handlungsdruck ist, machten die Vertreter:innen der Automobilwirtschaft deutlich. Klaus Mäder, COO Bosch Mobility, sagte:
“Die Herausforderungen sind groß – wir müssen einen anspruchsvollen Übergang zur elektrischen, softwaredefinierten Mobilität bewältigen und stehen unter einem hohen Wettbewerbsdruck. Hinzu kommt, dass es aktuell keinen Rückenwind vom Markt gibt.”
Deutschland müsse dringend Wege finden, wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Dazu müsse die Industrie ihren Beitrag leisten, aber es brauche auch einen fairen Wettbewerb.
Faire Bedingungen in Europa
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die europäische Ebene. Gerade bei Zukunftstechnologien mit hohem Investitionsbedarf sind gemeinsame europäische Lösungen entscheidend. Franz Loogen von der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive in Baden-Württemberg, e-mobil BW, betonte:
“Gerade bei Zukunftstechnologien mit hohem Investitionsbedarf können wir industrielle und technologische Unabhängigkeit nur gemeinsam auf europäischer Ebene sichern. Das gilt insbesondere für Schlüsselbereiche wie die Batterietechnologie und das autonome Fahren. Deshalb brauchen wir faire internationale Wettbewerbsbedingungen, klare Local-Content-Regelungen und eine starke ‚Made in Europe‘-Komponente.”
Wir als Grüne wollen damit erreichen, dass europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb faire Bedingungen vorfinden und wichtige Zukunftstechnologien in Europa entwickelt und produziert werden können.
Beschäftigte beim Wandel mitnehmen
Auch die Perspektive der Beschäftigten nahm breiten Raum ein. Qualifizierung und berufliche Übergänge müssen frühzeitig organisiert werden – und nicht erst dann, wenn Arbeitsplätze bereits weggefallen sind.
“Wir haben in Baden-Württemberg hochqualifizierte Beschäftigte, enormes Know-how und eine starke industrielle Basis. Diese Stärke dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.”, so Frank Sell, Betriebsrat Bosch Mobility. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen drohe der Abbau von Kernkompetenzen in Europa. „Jetzt braucht es einen gemeinsamen Fahrplan, wie wir Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa erhalten. Wir brauchen daher eine pragmatische und vor allem zügig umgesetzte Industriepolitik mit klaren ‚Made in EU‘-Regeln, die uns die Zeit verschaffen, uns gemeinsam wettbewerbsfähig aufzustellen.“
Die Stärke Baden-Württembergs liegt dabei nicht nur in seinen Unternehmen, sondern auch in den gut qualifizierten Beschäftigten und dem vorhandenen industriellen Know-how. Beides muss beim Wandel berücksichtigt und gezielt weiterentwickelt werden.
Austausch fortsetzen, konkrete Schritte umsetzen
Sarah Hagmann, unsere wirtschaftspolitische Sprecherin, fasst die Ergebnisse des Runden Tisches zusammen:
“Wir haben heute keine einfachen Antworten bekommen – aber ein sehr klares Bild davon, wo jetzt die entscheidenden Aufgaben liegen. Baden-Württemberg muss seine Technologieführerschaft verteidigen, neue Technologien schneller in industrielle Wertschöpfung bringen und Beschäftigte durch den Wandel begleiten. Gleichzeitig darf Europa im globalen Wettbewerb nicht naiv sein: Ein offener Markt braucht faire Bedingungen. Dafür werden wir uns in Berlin und Brüssel einsetzen. Diesen Austausch werden wir fortsetzen und die konkreten Punkte in unsere weitere industriepolitische Arbeit mitnehmen."
Mit dem Runden Tisch haben wir den Austausch den Vertreter:innen der Automobilwirtschaft weiter vertieft. Die konkreten Punkte aus dem Gespräch fließen in die weitere industriepolitische Arbeit unserer Fraktion ein.
An dem Runden Tisch nahmen für die Grüne Landtagsfraktion neben Tayfun Tok und Sarah Hagmann auch Gudula Achterberg, Thomas Hentschel, Clara Resch und Daniel Belling teil. Von Seiten der Automobilwirtschaft und des Transformationsnetzwerks waren außerdem Dr. Jan Ohmstedt von Porsche, Matthias Seitz von Audi, Guido Beermann von Mercedes-Benz sowie Tanja Riehle von e-mobil BW vertreten.