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Wirtschaft

Lifestyle-Teilzeit: Einordnung einer verzerrten Debatte

Die Grüne Landtagsfraktion Baden-Württemberg ordnet die Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ ein. Sie zeigt, warum Teilzeit oft strukturelle Gründe hat und welche Maßnahmen bereits für bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf erreicht wurden.

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Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ suggeriert, Menschen würden bewusst weniger arbeiten, um es sich bequem zu machen. Vor allem Frauen und Eltern geraten dabei unter Generalverdacht. Diese Verkürzung blendet die Realität vieler Berufstätiger aus: Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt oder Sorgearbeit leistet, arbeitet nicht weniger, sondern anders. Teilzeit ist in vielen Fällen keine freie Entscheidung, sondern die Folge fehlender verlässlicher Strukturen.

Gerade in Baden-Württemberg zeigt sich das deutlich: Während Teilzeit bei Männern die Ausnahme ist, arbeitet jede zweite Frau in Teilzeit, bei berufstätigen Müttern sogar die große Mehrheit. Der Grund ist nicht mangelnde Leistungsbereitschaft, sondern unzureichende Kinderbetreuung, fehlende Ganztagsangebote und eine ungleiche Verteilung von Care-Arbeit.

Unser Ansatz: Rahmenbedingungen statt Vorwürfe

Wir als Grüne Landtagsfraktion wollen erreichen, dass Menschen so arbeiten können, wie es zu ihrem Leben passt und nicht gegen ihr Leben. Wer mehr Erwerbsarbeit ermöglichen will, muss zuerst die Voraussetzungen schaffen: verlässliche Betreuung, gute Pflegeangebote, faire Bezahlung und echte Wahlfreiheit. Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern oft die einzige Möglichkeit, Verantwortung für Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren.

Unsere Abgeordnete Sarah Hagmann bringt es auf den Punkt:

“Was Frauen und Familien brauchen, sind keine Belehrungen. Keine Unterstellungen. Kein Generalverdacht. Sondern Respekt, Vertrauen und verlässliche Strukturen, sodass sie selbst bestimmt ihr Leben gestalten können. Ich erlebe jeden Tag, wie viel Menschen leisten – in ihrem Beruf und darüber hinaus. Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern oft die einzige Möglichkeit, Verantwortung für Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren.”

In Baden-Württemberg haben wir dafür bereits wichtige Schritte unternommen. Wir haben die Kinderbetreuung ausgebaut und die Qualität gestärkt, mehr pädagogisches Personal eingestellt, die Pflegeausbildung reformiert und Programme aufgelegt, die Vereinbarkeit konkret fördern – von Teilzeitausbildung bis hin zu Netzwerken für familienfreundliche Arbeitskulturen. Das stärkt nicht nur Familien, sondern auch den Arbeitsmarkt.

Warum diese Debatte entscheidend ist

Die Diskussion um „Lifestyle-Teilzeit“ offenbart ein Menschenbild, das Misstrauen sät, statt Lösungen zu bieten. Wer pauschal mehr Arbeitszeit fordert, ohne die Lebensrealitäten mitzudenken, verkennt die Lage vieler Beschäftigter. Dazu sagt unsere Abgeordnete Marilena Geugjes:

“Ich kann Ihnen als berufstätige Mutter kleiner Kinder sagen: Die allermeisten können schlicht nicht mehr arbeiten, weil die Strukturen es nicht hergeben."

Unser Fazit 

Eine starke Wirtschaft braucht motivierte, gesunde und selbst bestimmte Menschen. Wir als Grüne setzen uns deshalb dafür ein, Vereinbarkeit zu verbessern, statt sie zu diskreditieren. Wenn Menschen ihre Arbeitswünsche tatsächlich umsetzen können, gewinnen alle: Familien, Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt.

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