Agrarpolitik und Ernährung

Wissen intelligent nutzen

Wissenschaft und Forschung sind ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg. Den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg beleuchtet Prof. Mario Schmidt, Leiter des Institus für Industrial Ecology an der Hochschule Pforzheim.

Wo sehen Sie die Stärken von Baden-Württembergals Forschungsstandort?

Prof. Mario Schmidt: Baden-Württemberg hat exzellente Universitäten, zahlreiche praxisnahe Hochschulen, mittelständische Unternehmen mit großer Innovationskraft und viele Institute, wie die Fraunhofer-Institute oder die unabhängigen Umweltinstitute, wie das Öko-Institut Freiburg und das IFEU-Institut Heidelberg. Aus dieser Vielfalt müsste man mehr Synergien schöpfen. Hier sehe ich eine Aufgabe des Landes, zu verbinden und zu vermitteln.

Welche Bedeutung haben Wissenschaft und Forschung generell für das Land?

Prof. Mario Schmidt: Ich persönlich halte die produzierende Industrie mit umweltfreundlichen und effizienten Produkten und Produktionsverfahren für unverzichtbar. In unserer modernen Gesellschaft brauchen wir auch die Industrie für ein ökologischeres Wirtschaften. Beispiel Kreislaufwirtschaft: Bei über 60 Metallen, darunter auch die Seltenen Erden, liegen die Recyclingraten beiunter einem Prozent. Wenn wir die wiederverwerten und im Kreislauf nutzen wollen, dann bedeutet das höchste Anforderungen an Sammelinfrastrukturen, Recycling- und Verarbeitungsverfahren, aber auch an das Wissen, wie man Produkte ressourcenschonend und recyclinggerecht herstellt und später als Konsument damit umgeht.

Welche Rolle spielt die Forschung in Baden-Württemberg für die Energiewende?

Prof. Mario Schmidt: Energiewende heißt nicht nur die geeignete Technik zur Nutzung regenerativer Energien wie Solar- oder Windkraftanlagen. Wir müssen auch sparsamer mit Energie umgehen:mit effizienten Maschinen und Anlagen, gerade auch für die Industrie. Da sind wir heute schon teilweise sehr gut. Das ist eine Chance für unsere exportorientierte Wirtschaft und für die Umwelt zugleich.

Welche Projekte des Instituts für Industrial Ecology haben Modellcharakter für andere Bundesländer?

Prof. Mario Schmidt: Einer unserer Schwerpunkte ist die betriebliche Ressourceneffizienz. Die Einsparpotenziale sind beachtlich und helfen sowohl ökonomisch als auch ökologisch. Baden-Württemberg engagiert sich hier besonders, zum Beispiel durch den Kongress der Landesregierung "Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft" im kommenden November.

Zum Institut

Das Institut für Industrial Ecology der Hochschule Pforzheim beschäftigt sich mit dem stofflichen und energetischen Metabolismus unserer Gesellschaft. Schwerpunktthemen sind betriebliche Ressourceneffizienz, Ökobilanzen und Carbon Footprints (CO2-Fußabdrücke). Mario Schmidt hat seit 1999 die Professur für ökologische Unternehmensführung inne und leitet seit 2011 den neuen Studiengang „Ressourceneffizienz-Management“. Weitere Infos unter: http://umwelt.hs-pforzheim.de