Landtag Baden-Württemberg
11.03.2009

Presseinformation: Frei bleibende Studienplätze darf es nicht länger geben

Ministerium muss Missstand sofort abstellen

Presseinformation: Frei bleibende Studienplätze darf es nicht länger geben

Tausende Studienplätze bleiben an baden-württembergischen Universitäten in NC-Studiengängen unbesetzt, kritisiert die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen, Theresia Bauer, derweil schaue der Wissenschaftsminister zu.

Im letzten Wintersemester waren 2487 NC Studienplätze nicht besetzt worden, das entspricht einem Anteil von 12,4%, im Wintersemester zuvor waren es sogar 19,4% der NC-Studienplätze, die leer geblieben waren. Dies ergibt sich aus der Auswertung von umfassenden Hochschulzahlen, die dem Wissenschaftsausschuss vom Ministerium vorgelegt wurden.

 

Nicht ausgeschöpfte Kapazitäten gibt es jedoch lediglich an Universitäten, dagegen kommen die Fachhochschulen offenkundig ganz gut damit klar, ihre Studienplätze vollständig zu besetzen. Schlusslichter bei den Universitäten sind Tübingen mit 25,4% und Heidelberg mit 19,7% Leerstand bei den NC-Studienanfängerplätzen. Aber auch in Konstanz (9,9%) als auch in Karlsruhe (9,5%) und Freiburg (7,7%) blieben Studienplätze unbesetzt. Exzellenz schützt also vor Leerstand nicht.

Besonders betroffen sind die Sprach- und Kulturwissenschaften  mit 27,9% freien Plätzen und die Kunstwissenschaften mit 33,6%. Aber auch in den Rechts-,Wirtschafts- und Sozialwissenschaften blieben 877 Plätze unbesetzt.

 

Ob die Studienplätze unbesetzt blieben, weil die Unis es nicht besser konnten oder weil sie es nicht anders wollten, sei letztlich nicht von Interesse, kommentiert Theresia Bauer, es komme jetzt nur darauf an, diese Missstände sofort abzustellen und zu gewährleisten, dass keine NC-Studienplätze mehr frei blieben. "Dafür hat der Wissenschaftsminister die Verantwortung zu übernehmen. Der legt aber bisher seine Hände in den Schoß und verweist auf die Hochschulautonomie. Hier geht es aber nicht um die Freiheitsrechte von Hochschulen, sondern um die Grundrechte von Studienbewerbern", so Theresia Bauer.

 

Der Wissenschaftsminister muss sicherstellen, dass sich die Hochschulen nicht aus der Verantwortung stehlen. Dafür gäbe es eine Reihe von Instrumenten, die er anwenden könne: zum Beispiel finanzielle Sanktionen für frei gebliebene Plätze oder ganz einfach die Möglichkeit, keine Genehmigung mehr zu erteilen für einen lokalen NC, wenn die Hochschule ihre Kapazitäten nicht ausgeschöpft hat.  Darüber hinaus fordern die Grünen den Wissenschaftsminister in einem Antrag (DS 14/4148) auf, sich konstruktiv an den bundesweiten Bemühungen um einen erleichterten Hochschulzugang und transparente, aufeinander abgestimmte Zulassungsverfahren mit Hilfe des Serviceangebotes der ZVS zu beteiligen. Die Hochschulen des Landes seien zu einer verbindlichen Teilnahme an dem verbesserten Hochschulzugangsweg zu verpflichten. Bislang habe der Wissenschaftsminister doch keinerlei Engagement in dieser Richtung erkennen lassen.

Erschwerend kommt in Baden-Württemberg hinzu, dass CDU und FDP schon eine weitere Hürde beim Hochschulzugang beschlossen haben: Ab dem Wintersemester 2011 sollen flächendeckend Aufnahmeprüfungen und Auswahlgespräche für alle NC-Studienplätze im Land zur Pflicht werden. Wie das im Rahmen der bundesweit koordinierten Zulassungsfristen bewerkstelligt werden soll, bleibt unerklärlich.

 

"Ausgerechnet wenn die doppelten Abiturjahrgänge an die Hochschulen drängen und das bundesweite Hochschulzulassungschaos noch nicht beendet ist, soll in Baden-Württemberg der Hochschulzugang verschärft werden. Das ist unverantwortlich und das kann so nicht bleiben." Die Abgeordnete verlangt ein Moratorium für die Einführung der Aufnahmeprüfungen mindestens bis die doppelten Abiturjahrgänge in die Hochschulen aufgenommen wurden. "Erst wenn sich die Lage entspannt, lässt sich das Selbstauswahlrecht im Interesse von mehr Qualität für Studienbewerber und Hochschulen umsetzen, vorher werden zusätzliche Prüfungen lediglich zur zusätzlichen Hürde. Das ist das falsche Signal."

 

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