Landtag Baden-Württemberg
17.01.2018

Wie sieht das Bauen und Wohnen der Zukunft aus?

Vertikale Stadtplanung soll durch mehrgeschossiges Bauen und Aufstocken im Bestand erleichtert werden.

Die Fraktion Grüne setzt sich für ein zukunftsfähiges und bezahlbares Bauen und Wohnen in Baden-Württemberg ein, dass das gute Zusammenleben zwischen Menschen fördert und in einer gesunden und naturnahen Umgebung stattfindet. Der Wohnraumbedarf nimmt zu. Auf unserer Fraktionsklausur in Bad Boll haben wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie und wo wir heute und in Zukunft wohnen wollen.

Baden-Württemberg ist ein wirtschaftlich starkes und damit auch attraktives Land. Das heißt aber auch, dass viele Menschen hier leben – und wohnen wollen. Schon jetzt gibt es zu wenig Wohnraum – und der Bedarf steigt. Es fehlt vor allem an altersgerechten Wohnungen und an Sozialwohnungen.

Wichtig für uns ist es, Entwicklungen mitzudenken wie…

  • die zunehmende gesellschaftliche Vielfalt
  • den demografischen Wandel
  • die Möglichkeiten durch die Digitalisierung
  • die Mobilitäts- und Energiewende

Im Vordergrund steht für uns bezahl- und finanzierbares Wohnen. Stellschrauben für uns sind:

  1. eine massive Investition in den sozialen Wohnungsbau (im Doppelhaushalt 180 Mio. Euro p.a.).
  2. Die Mobilisierung privaten Kapitals durch verbesserte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für sozialen Mietwohnraum erreichen sowie das konsequente Schließen von Steuerschlupflöchern wie „Share Deals“.
  3. Bauen der Zukunft ist barrierefrei, umweltbewusst – UND hat die Baukosten im Blick, die wir senken wollen 

Um das zu erreichen, wollen wir ökologisch nachhaltige, innovative Baustoffe stärken – wie:

  • Bauen mit Holz
  • Recyclingbaustoffe (etwa Recyclingbeton)
  • neuartige Materialien wie Textil- oder Carbonbeton

In diesem Sinne wollen wir die Landesbauordnung zukunftsgerecht anpassen. Denn: Kostengünstig, barrierefrei und umweltbewusst zu bauen ist kein Widerspruch. Im Gegenteil: Holz und recycelte Baustoffe sparen Geld – und später auch noch Heiz- und Stromkosten oder den aufwändigen Umbau für altersgerechtes Wohnen.

Wir denken auch an die Digitalisierung beim Bauen, und die Potenziale, die damit verbunden sind. Wir wollen Glasfaser bis in jedes Haus. Im Doppelhaushalt stehen dafür 180 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Wir wollen eGovernment-Lösungen im Baugenehmigungsverfahren. 

Ziel ist es, dass das Baugenehmigungsverfahren über einen virtuellen Projektraum abgewickelt wird. Antragsteller, Behörden sowie Projektbeteiligte können dann digital Dokumente einstellen und austauschen. Ein solches Verfahren erhöht die Transparenz, verkürzt den Beratungs- und Kontrollaufwand und damit die Bearbeitungszeit deutlich.

Lebendiges Quartier mitdenken

Wichtig ist uns auch, beim Planen, Bauen oder Sanieren das lebendige Quartier mitzudenken. Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialer Schicht, Altersstruktur, mit und ohne Behinderung sollen hier miteinander leben, sich gegenseitig unterstützen – und hier im besten Fall auch alt werden können, ohne in ein Alten- oder Pflegeheim umziehen zu müssen.

Entsprechend muss das Quartier gestaltet werden. Stichworte sind etwa Mehrgenerationenhäuser, Beratungsstrukturen, Nachbarschaftszentren, barrierefreier Wohnraum, Kitas, Anbindung an ÖPNV.  Gerade Kommunen sind hier gefragt – sie können etwa ihre Planungsspielräume hinsichtlich Quotenvorgaben für Sozialwohnungen nutzen.

Nach wie vor gilt für uns der Grundsatz: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Hier müssen wir alle, Land und Kommunen, an neuen Ansätzen und Strategien arbeiten.  Wir stehen zu ihrem Ziel der Netto-Null – wissen aber, dass es kurzfristig noch nicht ganz ohne neue Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen geht.  Vertikale Stadtplanung soll durch mehrgeschossiges Bauen und Aufstocken im Bestand erleichtert werden. Geschosswohnungsbau in Holzbauweise ist zum Beispiel eine gute Antwort auf den Wohnraummangel in den Städten. Denn der moderne Holzbau bietet gute Möglichkeiten bei der Nachverdichtung. Modulare Holzbauelemente sind flexibel, ökologisch und wirtschaftlich. Deshalb wollen wir den Einsatzbereich von Holz als Baustoff in der Landesbauordnung erweitern.

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Ihr Kontakt

Andrea Lindlohr

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Vorsitzende des AK Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau
Wirtschaftspolitische Sprecherin

Susanne Bay

Sprecherin für Bauen und Wohnen

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