Landtag Baden-Württemberg
06.11.2010

Sonnentau: Fleischfressende Pflanze im nährstoffarmen Moor / Gisela Splett: „Moorschutz dient Arten- und Klimaschutz“

Sonnentau: Fleischfressende Pflanze im nährstoffarmen Moor / Gisela Splett: „Moorschutz dient Arten- und Klimaschutz“

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Bio-Divers-Sonnentau

Bild: ©Michael Linnenbach

Mit einer zwölfteiligen, monatlichen Serie machen die Grünen auf gefährdete Arten und ihre Lebensräume aufmerksam. "Wir sind stolz darauf, dass wir für unsere Serie das Logo sowohl der weltweiten Kampagne "Countdown 2010" als das Logo für das Internationale Jahr der Biodiversität verwenden dürfen.


Nach der letzten Eiszeit vor gut 11 500 Jahren entstanden in Deutschland große Moorgebiete. Diese Feuchtbiotope stellen für Tiere und Pflanzen extreme Standorte dar. In Mooren kommen deshalb hoch spezialisierte und angepasste Arten vor, die in anderen Lebensräumen nicht oder nur gering verbreitet sind. Beispiele hierfür sind: Der rundblättrige Sonnentau und der Fieberklee als seltene und geschützte Pflanzen, Amphibien wie Moor-, Gras- und Springfrosch, Libellen wie der Große Blaupfeil und die Kleine Moosjungfer. In Baden-Württemberg sind rund 650 Moore unter Naturschutz gestellt. Die oberschwäbischen Moore am Federsee und bei Pfrungen sind die größten Moorgebiete in Baden-Württemberg. In ihnen kommen verschiedene Moortypen eng verzahnt vor: artenreiche Niedermoore, ausgedehnte Schilfbestände und feuchte Moorwälder sowie weitläufige Feuchtwiesen. Als eines der größten noch intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas gilt das ebenfalls in Oberschwaben gelegene Wurzacher Ried. Charakteristisch für die meisten Moorflächen ist die Nährstoffarmut dieser Standorte, für die der Nährstoffeintrag durch die Luft eine Bedrohung darstellt.
Der Großteil der Moore auch in Baden-Württemberg wurde durch Entwässerung und Torfstich zerstört. Aufforstungen und landwirtschaftliche Nutzung gefährden ebenfalls die Moorlebensräume und führen zum biologischen Abbau des Torfes. Heute existieren nur noch rund 32.500 ha Moore im Land. Der Kohlenstoffvorrat, der sich über Jahrtausende im Torf aufgebaut hatte, wird bei moorzerstörender Nutzung innerhalb weniger Jahrzehnte als Kohlendioxid freigesetzt. Gisela Splett, die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, kritisiert daher: "Die Zerstörung der Moore bedroht nicht nur die auf die speziellen Standortbedingungen angewiesenen Tier- und Pflanzenarten, sondern schadet auch dem Klima. Aus Gründen des Natur-, Boden- und des Klimaschutzes müssen die Moorstandorte Baden-Württembergs erhalten bleiben. Wo immer möglich, sollten geschädigte Moorflächen wiedervernässt werden."
Die Landesregierung gab 2008 an, dass in der Oberrheinebene und im Alpenvorland 46 % der Moorflächen als Acker- und Intensivgrünland genutzt werden. Beide Landnutzungsformen stellen auf Moorböden starke Treibhausgasquellen dar. Durch Renaturierungsmaßnahmen könnte das Land einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Nur noch rund 30 % der kartierten Moorbereiche sind naturnah und fungieren damit als CO2-Senken. Bei Wiedervernässungsmaßnahmen muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Flächen nicht überstaut werden – sonst könnte durch erhöhte Methanbildung der Klimaschutz-Effekt konterkariert werden.

Zum Schutz von Sonnentau, Fieberklee & Co fordern die GRÜNEN im Landtag:

  • -        Förderung der Moor-Wiedervernässung mit Landesmitteln im Rahmen eines Klimaschutzprogrammes Baden-Württemberg (Vorbild Bayern)
  • -        Moorschutz in den CO2-Zertifikatehandel einbeziehen (Vorbild Dänemark und Weißrussland)
  • -        Umbruchverbot von Grünland auf Moor- und Anmoorflächen (wird von der Landesregierung seit Jahren geprüft)
  • -        Erarbeitung einer landesweiten Moorkonzeption für Hoch- und Niedermoore (existiert in allen anderen Bundesländern mit wichtigen Moorgebieten)
  • -        Landesweites Konzept zur Erhaltung nährstoffarmer Standorte und der Verringerung des Stickstoffeintrages
  • -        Öffentliche Ausschreibungen im Garten- und Landschaftsbau sollen mit der Bedingung der torffreien Ausführung verknüpft werden (im Sinne des internationalen Moorschutzes)

Quellen/Links:

dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/023/1702363.pdf (Moorschutzkonzept der Bundesregierung)
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/5000/14_5481_d.pdf (landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden)
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/4000/14_4195_d.pdf (Ein Jahr "Aktionsplan Biologische Vielfalt")
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/3000/14_3461_d.pdf (Klimaschutz durch Naturschutz)

 

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