Landtag Baden-Württemberg
11.10.2010

Mauereidechse: Streng geschützt und doch stark gefährdet / Gisela Splett: „Trockenmauern und Steinriegel erhalten“

Mauereidechse: Streng geschützt und doch stark gefährdet / Gisela Splett: „Trockenmauern und Steinriegel erhalten“

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Bio-Diversität-Mauereidechse

Bild: ©Helge May

Mit einer zwölfteiligen, monatlichen Serie machen die Grünen auf gefährdete Arten und ihre Lebensräume aufmerksam. "Wir sind stolz darauf, dass wir für unsere Serie das Logo sowohl der weltweiten Kampagne "Countdown 2010" als das Logo für das Internationale Jahr der Biodiversität verwenden dürfen.


Die Mauereidechse kommt in Deutschland schwerpunktmäßig im Südwesten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Als Reptil liebt sie Sonne und Wärme. In Baden-Württemberg besiedelt die Art weite Teile der Oberrheinebene, den unteren Neckar, den östlichen Kraichgau, den Hochrhein sowie den West- und Südrand des Schwarzwaldes. Vorkommen am Hochrhein und im Stromberg/Heuchelberg-Gebiet werden als stabil eingestuft. Im Gebiet des Oberrheins und im Bereich der Vorbergzone des Schwarzwaldes existieren dagegen überwiegend kleine Vorkommen. Ihre natürlichen Lebensräume waren die trocken-warmen Standorte in der Flussaue. Als Kulturfolger ist die Mauereidechse auch in Weinbergen, in Steinbrüchen, auf Güterbahnhöfen sowie an Mauern und Gebäuden in Siedlungen anzutreffen.
Die Eidechse ist auf dem Papier gut geschützt: Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, Bundesnaturschutzgesetz, Rote Liste Deutschland und Baden-Württemberg, Art des 111-Arten-Korbs, Art des Zielartenkonzepts Baden-Württemberg. "Das ist der Schutz auf dem Papier. Dennoch gehen immer wieder durch Eingriffe Mauereidechsen-Lebensräume verloren", so die umweltpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Gisela Splett.  
Zur Einhaltung des Schädigungs- und Störungsverbots dieser streng geschützten Art gemäß Bundesnaturschutzgesetz sind bei Bauvorhaben im Lebensraum der Eidechsen Fang- und Umsiedlungsmaßnahmen erforderlich. Verfrachtungen intakter Eidechsenpopulationen in andere (fremde) Lebensräume sind allerdings sehr schwierig. Bei der Umsiedelung kann der neue Lebensraum je nach Anzahl der verfrachteten Tiere sehr rasch an die Grenzen seiner Nahrungs- und Habitatskapazitäten kommen, insbesondere wenn im ausgewählten Biotop bereits Mauereidechsen leben. Aber auch für andere Reptilienarten des gleichen Lebensraumtyps verschärft sich die Konkurrenzsituation. Daher taugen derartige Umsiedelungen häufig nicht als "Rettungsmaßnahme" und bedürfen eines guten Monitorings. Dies zeigte sich auch 2009 bei einem Bauprojekt der Stadt Heidelberg auf einem alten Bahnareal. Hier sollte eine große Population mit bis zu 5000 Tieren umgesiedelt werden, ohne dass im Zielgebiet genug Nahrung vorhanden war.
Weitere Gefahren drohen den Tieren durch unsachgemäße Auffüllung von Steinbrüchen und Sanierung von Ruinen. Der NABU in Mannheim berichtete z.B. von der Zerstörung eines Eidechsenhabitats und der Tötung von Mauereidechsen auf einer stillgelegten Gleisfläche durch Ablagerung von angefallenem Aushub bei Gleisbauarbeiten.
Problematisch für Mauereidechsen können auch der Pestizideinsatz in Landwirtschaft und Weinbau sein. Aber auch durch Nutzungsaufgabe und das Überwachsen von Trockenmauern können wertvolle Lebensräume verloren gehen.
Die Mauereidechse ist tagaktiv, äußerst flink und klettert sehr gut. Je nach lokalem Klima zieht sich die Mauereidechse von Oktober bis März in frostfreie Erdspalten zur Winterruhe zurück.

Zum Schutz von Mauereidechse & Co fordern die GRÜNEN im Landtag:
-     Stärkung des Artenschutzprogramms
-     Erhalt von Trockenmauern (z.B. bei Rebflurbereinigungen)
-     Bessere Berücksichtigung der Artenschutzes bei Planungen und Monitoring von Kompensationsmaßnahmen
-     Ausreichende Landschaftspflegemittel für Erhalten und Freihalten von Trockenmauern u.ä. Biotopen
-     Einschränkung des Chemieeinsatzes in Rebbergen und an Bahndämmen

Quellen/Links:
www.Wikipedia.de > Mauereidechse
www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/51734/pod_mur_end.pdf?command=downloadContent&filename=pod_mur_end.pdf
www.herp-science.de/mauereidechsen_heidelberg.pdf
www.nabu-mannheim.de/index.php?option=com_content&task=view&id=122&Itemid=75
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/4000/14_4195_d.pdf (Ein Jahr "Aktionsplan Biologische Vielfalt")
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/6000/14_6459_d.pdf (Weinbautradition in Baden-Württemberg – Zukunftssicherung in Zeiten von Klimawandel und deregulierten Weltmärkten)

 

 

 

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