Landtag Baden-Württemberg
18.01.2017

"In vielen Regionen ist Baden-Württemberg ein Windland"

(c) Petra Bork  / pixelio.de

2016 war ein erneutes Rekordjahr für den Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg. 120 Windenergieanlagen gingen neu ans Netz. Die in Baden-Württemberg installierte Leistung aus Windenergie ist auf über ein Gigawatt angestiegen, das entspricht der Leistung eines konventionellen Großkraftwerks. Unsere energiepolitische Sprecherin Jutta Niemann erklärt, welche Rolle Windkraft für den Klimaschutz und die regionale Wirtschaft spielt und wie Baden-Württemberg die Balance hält bei Energiewende, Naturschutz und Interessen von Anwohnerinnen und Anwohnern.

Seit einigen Jahren steigt der Anteil der Windenergie in Baden-Württemberg deutlich – woran liegt es? 

Windkraft ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Deshalb hat Baden-Württemberg unter grüner Führung die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass Windräder dort gebaut werden können, wo sie sich wirtschaftlich lohnen und andere Interessen dem nicht entgegenstehen. Auch viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich. Windkraftanlagen, so wie andere Formen dezentraler Energiegewinnung, tragen enorm zur lokalen und regionalen Wertschöpfung bei. Durch die zahlreichen örtlichen Energiegenossenschaften sind BürgerInnen an Investition und Gewinn beteiligt, die Kommunen profitieren durch Gewerbesteuer oder Pachterträge und Handwerksbetriebe vor Ort können die Instandhaltung übernehmen. Die InvestorInnen sichern von Beginn an mit länger angelegten Windmessungen ab, ob sich ihre angedachten Projekte wirtschaftlich tragen. Die große Zahl der neu errichteten Anlagen zeigt: In vielen Regionen ist Baden-Württemberg ein Windland. 

Wie engagiert sich das Land?

2012 haben wir über ein neues Landesplanungsgesetz die bis dato geltende Windkraftblockade gelöst. Das war höchste Zeit. Der Klimawandel ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Die einzige Lösung ist daher die Abkehr von Kohle und Gas und der entschlossene Einsatz erneuerbarer Energien, um sowohl Strom als auch Wärme und Mobilität tatsächlich klimafreundlich zu erzeugen. Atomkraft ist als Hochrisikotechnologie keine Option. Das Beispiel Frankreich und die dortigen gravierenden Folgen vieler AKW-Ausfälle wegen Störungen zeigen zudem, dass Großkraftwerke keine Versorgungssicherheit garantieren. Unser Ziel für Baden-Württemberg ist klar: Bis zum Jahr 2050 soll der Energieverbrauch zu 80% aus Erneuerbaren wie Solar, Wasser- und Windkraft gedeckt werden. Durch die hohen Investitionen in Windkraft und andere alternative Technologien festigen wir Baden-Württembergs Rolle als Modellregion für innovative Unternehmen und qualifizierte Fachkräfte. 

Warum bezieht Baden-Württemberg nicht einfach sauberen Strom aus Norddeutschland?

Für den Strommix der Zukunft werden wir auch in BW Sonnenstrom aus dem Süden und Windstrom aus dem Norden nutzen. Dazu werden wir auch die großen Stromtrassen weiter ausbauen müssen. Wir setzen aber soweit wie möglich auf eine dezentrale Energieversorgung vor Ort. Ziel dabei ist, den Ausbau der Stromtrassen auf das Nötige zu begrenzen und durch den Ausbau der Erneuerbaren noch mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Baden-Württemberg zu schaffen. 

Was tut das Land, um Konflikte zu vermeiden oder zu schlichten?

Sowohl was Natur- und Artenschutz als auch Befürchtungen von AnwohnerInnen beim Thema Windkraft angeht, brauchen wir eine hohe Sensibilität. Für Natur- und Artenschutz gelten in Baden-Württemberg strenge Regeln, diese gelten selbstverständlich auch für den Ausbau der Windkraft. Klare Vorschriften für Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die sorgfältige Auswahl und Prüfung von Standorten gewährleisten das. Windkraftnutzung in Wäldern ist nur mit Ausgleichsmaßnahmen möglich, die den Eingriff in die Natur kompensieren.  Bei der Standortbestimmung müssen auch die AnwohnerInnen ins Boot geholt werden. Regionalplanung und Bürgerdialog schaffen die Voraussetzungen, um geeignete und akzeptierte Standorte zu finden. Die Möglichkeit zur Beteiligung etwa an Bürgerenergiegenossenschaften erhöht die Akzeptanz zusätzlich. 

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Ihr Kontakt

Jutta Niemann

Energiepolitische Sprecherin

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