Landtag Baden-Württemberg
15.07.2013

Im Grünen daheim: Positionen zum Ländlichen Raum der Grünen im Landtag

Schwäbische Alb - Foto: Jürgen Fälchle - Fotolia.com
Baden-Württemberg ist tatsächlich sehr ländlich geprägt: Mehr als zwei Drittel unserer Landesfläche zählen zum Ländlichen Raum. Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger lebt hier und auch fast ein Drittel der gesamten Wertschöpfung des Landes wird von Ihnen

Mehr als die Hälfte der Menschen in Baden-Württemberg leben nach ihrem eigenen Lebensgefühl im Ländlichen Raum, weit mehr, als die Einwohnerstatistik ausweist – so das Ergebnis von aktuellen Umfragen. Kein Wunder, dass wir unser Bundesland liebevoll als „Ländle“ bezeichnen.

Baden-Württemberg ist tatsächlich sehr ländlich geprägt: Mehr als zwei Drittel unserer Landesfläche zählen zum Ländlichen Raum. Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger lebt hier und auch fast ein Drittel der gesamten Wertschöpfung des Landes wird von Ihnen erwirtschaftet. Der Ländliche Raum steht gemessen an der wirtschaftlichen Leistungskraft pro Einwohner und der Anzahl der Arbeitsplätze also absolut auf Augenhöhe mit den städtischen Ballungszentren. 


Die dezentrale und mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur des Landes spielt eine besondere Rolle. Es gibt auf dem Land zahlreiche innovative Unternehmen, große und kleine, die in ihrer speziellen Branche in Europa und sogar in der Weltliga ganz vorne mitspielen. Es ist das Zusammenwirken von internationaler Wettbewerbsfähigkeit, regionaler Verankerung und einem hohen Bildungsstand in Stadt und Land, weswegen Baden-Württemberg insgesamt erfolgreich ist.  Diesen Strukturvorteil Baden-Württembergs, für den uns viele Länder bewundern, gilt es zu erhalten und zu fördern.

Viele Abgeordnete der Grünen leben im Ländlichen Raum und sind für eine GRÜNE Zukunft ihrer Region aktiv: Das meinen wir mit „Im GRÜNEN daheim“. Für die Verwirklichung von klugen, grünen Konzepten müssen aber alle in der Region an einem Strang ziehen: Bürgerinnen und Bürger, Kommunalpolitik und Landespolitik, Ehrenamt und Unternehmen, privates Engagement, Städte und Gemeinden. Ideen, Wissen und Zusammenarbeit von uns allen sind gefragt, denn nur so können regionale Stärken ausgebaut und Probleme gelöst werden. 

 

Zusammen hält besser 

Miteinander für zukunftsfähige Konzepte

 

Wenn es um den Erhalt unserer ländlichen Regionen geht, sagen wir: Zusammen hält besser. Die Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Landkreise und wir Landespolitiker müssen gemeinsam zukunftsweisende Konzepte für unsere Ländlichen Räume entwickeln. Auf dieses Miteinander richten wir unsere Politik für die ländlichen Regionen aus.

Wir wollen den Herausforderungen des demographischen Wandels, des Klimawandels und der Energiewende im Ländlichen Raum mit der Entwicklung einer übergreifenden Strategie begegnen. Dazu werden wir die Förderprogramme zur Entwicklung der Ländlichen Räume anpassen. Die Ländlichen Räume in Baden-Württemberg sind stark und haben großes Potenzial. Die Stärken sind sehr unterschiedlich. Wir haben Regionen mit mittelständischen Unternehmen, die mit ihren Produkten Weltmarktführer sind. Andere Regionen sind von Tourismus und naturnahen Landschaften geprägt. Jede hat eine Zukunft und wir Grüne unterstützen sie. Schwarzwaldtäler werden mit uns nicht zuwachsen.

Die Aufgabe des Landes wird es sein, die Zusammenarbeit über die regionalen Grenzen hinaus zu koordinieren und die Akteure vor Ort zu unterstützen. Damit verabschieden wir uns von der schwarz-gelben Politik der Gießkannenförderung. Wir setzen darauf, dass die Regionen künftig ihre spezifischen Entwicklungsziele innerhalb der Gesamtstrategie selbst festlegen.

Die Zukunft wird vielerorts auch mehr regionale Zusammenarbeit erfordern, insbesondere beim Ausbau der Infrastruktur. Hier sind diejenigen gut aufgestellt, die früh kooperieren und gemeinsam über die Gemeindegrenzen hinweg planen.

Im Dialog zu guten Lösungen

Das Land wird den Aufbau von Beteiligungsstrukturen unterstützen, sodass Entwicklungskonzepte mit den Menschen vor Ort erstellt werden können.  Wir müssen gemeinsam die Verantwortung für unsere Ländlichen Räume tragen und im Dialog die besten Lösungen finden. So entstehen maßgeschneiderte zukunftsfähige Konzepte für jede Region.  

Wirtschaft und Arbeit

Im ganzen Land wird g‘schafft

Von anderen europäischen Regionen unterscheidet sich Baden-Württemberg durch die wirtschaftliche Stärke des Ländlichen Raums. Ob in Schwarzwaldtälern oder auf der Schwäbischen Alb, ob am Bodensee, im Odenwald oder in Hohenlohe – es sind oft die mittelständischen Weltmarktführer des Maschinenbaus, der Medizintechnik oder der Automobilbranche, die erfinden, produzieren und Arbeitsplätze sichern. Hinzu kommen viele regionale Arbeitsplätze in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft und im Tourismus.

Die Leistungsfähigkeit der ländlichen Regionen können wir nur erhalten, wenn wir diese Arbeitsplätze vor Ort sichern. Nur wenn die Menschen erwarten können, in ihrer Region gute und sichere Arbeitsplätze zu finden, werden sie dauerhaft dort bleiben. Auf der anderen Seite wissen wir auch aus zahlreichen Gesprächen, was die Unternehmen brauchen: qualifizierte Arbeitskräfte, ein gutes Betreuungsangebot für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf,  innovative Netzwerke von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zu einer funktionierenden Infrastruktur gehören der Erhalt von Straßen, die Verbesserung der Angebote von Bussen und Bahnen ebenso, wie der Ausbau schneller Internetverbindungen.

In lokalen Kooperationen sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu einem speziellen Themenschwerpunkt wie Medizintechnik, Green-IT oder Leichtbau zusammenarbeiten. Auch regionale „Cluster“ zu scheinbar traditionellen Themen wie „Holz und Papier“ können neue Impulse für eine Region geben. Aus diesem Gedankenaustausch entstehen dann die Produkte und Dienstleistungen, die Baden-Württemberg im globalen Wettbewerb auch in Zukunft stark machen werden. Wenn an Standorten wie in Tuttlingen, in Ostwürttemberg, im Nordschwarzwald oder dem Bodenseeraum die richtigen Partner zueinanderfinden, entstehen die Produkte von Morgen. Deshalb werden wir den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter stärken. 

Energiewende – nachhaltige Einkommensquelle des Ländlichen Raums

Arbeitsplätze im Ländlichen Raum entstehen auch, wenn wir es schaffen, die lokale Wertschöpfung weiter auszubauen. Lokale Wertschöpfung heißt für uns, mit Bürgerbeteiligung vor Ort Geld zu verdienen. Beispiel Windkraft: Neben der Tatsache, dass sich mit Windkraft saubere Energie erzeugen lässt, hat sie noch den Vorteil, dass sie erheblich zur lokalen oder regionalen Wertschöpfung beiträgt. Handwerker vor Ort installieren Anlagen, Bürgerinnen und Bürger schließen sich als Geldgeber zusammen und sind an den Gewinnen der Anlagen beteiligt, Kommunen profitieren über die Gewerbesteuer. Deswegen ist es gut, dass mit dem neuen Landesplanungsgesetz Windkraftanlagen nicht mehr verboten, sondern in der Regel erlaubt werden. Dabei wird es entscheidend sein, die Bürgerschaft in die Planungen mit einzubeziehen und zu informieren.

Mit der Energiewende und der Abkehr von wenigen, großen Konzernen geht die Energieerzeugung in die Fläche und damit in viele kleinere Einheiten. Das gilt auch für die Nutzung der Solarenergie, sei es auf Gebäuden, stillgelegten Deponien oder auf großen Carportanlagen. Auch zahlreiche, bisher ungenutzte Potentiale der „Kleinen Wasserkraft“ finden sich vor allem im Ländlichen Raum. In den 53 Bioenergiedörfern werden die Chancen der Energiewende besonders anschaulich sichtbar. So versorgt sich etwa Mauenheim (Kreis Tuttlingen) bereits heute fast vollständig selbst mit Energie.

Mit der Energiewende müssen auch die örtlichen Verteilnetze für Strom auf die Erfordernisse einer verstärkten dezentralen Strom-Einspeisung angepasst und ausgebaut werden. Vor allem die Photovoltaik trägt bereits heute mit einem erheblichen Anteil zum baden-württembergischen Strom-Mix bei. All dies bietet viele neue Möglichkeiten der lokalen Wertschöpfung und wird einen ganz neuen Blick auf die Energiewende richten. Deshalb ist die Energiewende eine neue, nachhaltige Einkommensquelle für den Ländlichen Raum. Auch bislang wirtschaftlich schwächere Ländliche Räume werden von den umfangreichen regionalen Investitionen im Zusammenhang mit der Energiewende profitieren können. 

Landtourismus – Sanfte Wege durch unsere Kulturlandschaften

Die Wirtschaft im Ländlichen Raum ist eng mit dem Tourismus verknüpft. Die Tourismusbranche hat einen stark vernetzenden Charakter und sie macht die Schätze einer Region sichtbar. Sie verbindet viele Wirtschaftszweige und bietet flexible Teilzeitarbeitsplätze und saisonale Zusatzeinkommen in der Gastronomie, Hotellerie und in Tourismuseinrichtungen.

Damit die Ländlichen Räume für den Tourismus interessant bleiben, spielen die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft in allen Landesteilen eine zentrale Rolle. Beide stehen für die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft, die nicht nur von den Menschen aus Baden-Württemberg für die Naherholung, sondern auch von vielen Urlaubsgästen geschätzt wird. Nur intakte Landschaften werden den Tourismus dauerhaft halten können. Wir wollen Streuobstwiesen und Moorlandschaften erhalten, stehen für einen Nationalpark im Nordschwarzwald und ein weiteres Biosphärengebiet im Südschwarzwald. Für die Weiterentwicklung des Naturschutzes in Baden-Württemberg benötigen wir einen  detaillierten Fahrplan, der die Landwirtschaft und den Tourismus einbezieht.

Als touristisches Leitbild wollen wir den sanften Tourismus weiterentwickeln. Dieser achtet auf die Umwelt- und Sozialverträglichkeit der touristischen Angebote, wie etwa beim „Urlaub auf dem Bauernhof“. Regionale Produkte, Wellness und Genuss gehören ebenso dazu, wie Wandern, Radfahren, Kanufahren und andere Sportarten in der Natur. Unsere Naturparke und Biosphärengebiete setzen dieses Leitbild bereits um.

Baden-Württemberg ist nach Bayern das beliebteste Urlaubsziel in Deutschland. Die Tourismusbranche ist damit eine der beschäftigungsstärksten Einzelbranchen in diesem Land. Über 200.000 Beschäftigte arbeiten hier und damit etwa so viele wie in der Automobilindustrie des Landes.

Gute Lebensmittel  - Regionale Wertschöpfung 

Regionale Wertschöpfung steht auch dafür, regionale Produkt- und Wirtschaftskreisläufe zu schließen und so Kaufkraft in der Region zu halten. Ein gutes Beispiel sind die Erzeugung und Vermarktung regionaler Lebensmittel: Handwerksunternehmen, wie Bäckereien oder Metzgereien vor Ort, zahlen den bäuerlichen Betrieben faire Preise, Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen hochwertige regionale Lebensmittel. 

Der ökologische Landbau ist dabei unser Leitbild für eine nachhaltige Landbewirtschaftung. Er soll in Baden-Württemberg gemeinsam mit einer gentechnikfreien, bäuerlichen Landwirtschaft besonders unterstützt werden. In unserer kleinteiligen Landschaft, von Mittelgebirgen durchzogen,  muss Landwirtschaft heute vielen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden: gesunde Lebensmittel erzeugen, Landschaft entwickeln, Natur und Umwelt erhalten, Energie erzeugen, Tiere artgerecht halten und Verbraucherinnen und Verbraucher informieren.

In Zeiten globalisierter Lebensmittelmärkte und weltweiter Umweltprobleme wollen wir in Baden-Württemberg vor allem die Landwirtschaft stärken, die sich an regionalen Märkten orientiert, und regionale Zusammenschlüsse mit dieser Landwirtschaft fördern. Das können Allianzen mit Verbraucherinnen und Verbrauchern, mit der Gastronomie, dem Lebensmittelhandwerk, dem Tourismus oder im besten Fall entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Handel sein. Beispielhaft dafür stehen viele Betriebe des Lebensmittelhandwerks wie Bäckereien, Metzgereien oder Brauereien, die dauerhafte und faire Kooperationen mit  Bäuerinnen und Bauern vor Ort aufbauen und regionale Lebensmittel anbieten. Diese Allianzen schaffen darüber hinaus Transparenz vom Acker bis auf den Teller, einen Mehrwert für die Gastronomie und das Handwerk, und sie machen eine Region unabhängiger und robuster gegenüber dem Auf und Ab der Weltwirtschaft.

Frauen und junge Familien im Ländlichen Raum halten

Es ist ein Trend, der schon lange zu beobachten ist. Gerade junge, gut ausgebildete Frauen und junge Familien zieht es in die Städte, auch weil sie dort bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorfinden. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, müssen wir die Attraktivität des Ländlichen Raums verbessern. Wir bauen weiterhin die Kleinkindbetreuung und die Ganztagesschulen aus. Für die Vereinbarkeit sind gute Verkehrsanbindungen, aber auch eine gute ärztliche Versorgung unersetzlich.

Außerdem wollen wir Existenzgründungen stärker unterstützen, zum einen für Nebenerwerbsbetriebe, aber auch für neue wirtschaftliche Tätigkeitsfelder wie neue Kinderbetreuungsmodelle, Pflegedienste oder andere Dienste für Ältere. Wir werden die Förderprogramme des Landes ausbauen, die Frauen mit innovativen Ideen dabei unterstützen, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. In Zusammenarbeit mit den Kommunen wollen wir die Frauen gezielt ansprechen und sie bei ihren unternehmerischen Schritten beraten.

Beim Thema „Frauen in Führungspositionen“ haben viele Unternehmen des Ländlichen Raumes noch einen deutlichen Nachholbedarf, vor allem, was die Akzeptanz von Frauen in der mittleren Führungsebene betrifft.

Gerade im Ländlichen Raum fehlen auch Frauen in den Gemeinde- und Kreistagen und als Bürgermeisterinnen. Eine Soll-Regelung zur Quotierung von Kommunalwahllisten wird deshalb in die Gemeindeordnung aufgenommen und so ein weiteres Signal setzen, dass wir mehr Frauen in diesen Ämtern brauchen.

Bei diesen Herausforderungen setzen wir auf kompetente Partnerinnen vor Ort. So setzen sich etwa die Landfrauenverbände in Baden-Württemberg seit vielen Jahren für die Chancen der Frauen im Ländlichen Raum ein.

Bildung

Zu einer funktionierenden Infrastruktur gehören erreichbare und gute Schulen sowie Ausbildungseinrichtungen. Bildung ist der Zugang zur Wissensgesellschaft und diesen wollen wir gerade jenseits der Ballungszentren erleichtern. Das sichert auch den Fachkräftebedarf von Morgen. 

Kinderbetreuung – Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wir wollen gute Bildungschancen von Anfang an, und wir wollen, dass Frauen und Männer die Möglichkeit haben, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Wir haben mit den Kommunen einen langfristigen Pakt geschlossen und viel zusätzliches Geld für den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren bereitgestellt. Damit leisten wir eine wichtige Hilfe, gerade für junge Familien abseits der Ballungsgebiete. Ab Sommer 2013 muss nach Bundesgesetz für jedes Kind unter drei Jahren ein Kita-Platz oder ein Platz bei Tageseltern zur Verfügung stehen. Mit der neuen Förderung des Landes sind die Städte und Gemeinden und die Freien Träger nun besser in der Lage, dieses Ziel zu erreichen – von Tauberbischofsheim bis Tuttlingen, von Kehl bis Heidenheim.

Schule – Breites Angebot durch regionale Schulentwicklung

Für Kinder und Jugendliche im ganzen Land soll es gute Bildungsangebote geben. Im Zentrum steht dabei die Qualität. Jedem Kind wollen wir den bestmöglichen Schulabschluss ermöglichen. Damit dies trotz rückläufiger Schülerzahlen gelingt, wollen wir die örtlichen Grundschulen erhalten und das Ganztagsangebot erweitern. Die Gemeinschaftsschule fördert jede Schülerin und jeden Schüler individuell und bietet unterschiedliche Schulabschlüsse an. Mit der Gemeinschaftsschule kann ein breites Bildungsangebot im Ländlichen Raum erhalten werden. Erste positive Beispiele belegen dies: In Bergatreute im Landkreis Ravensburg hat die Schule am Ort mit der Umstellung zur Gemeinschaftsschule viele Schüler hinzugewonnen. Darüber hinaus wollen wir die Gymnasien erhalten und deren Qualität weiter verbessern.

Die Gemeinden sind die wichtigsten Partner des Landes bei der regionalen Schulentwicklung. Gemeinsam schaffen und erhalten wir zukunftsfähige Lernorte für alle Kinder und Jugendlichen, und zwar bedarfsgerecht geplant. Hierzu gehören auch der Ausbau der Ganztagsschule und ein wohnortnahes bzw. gut erreichbares Angebot an beruflichen Schulen und Gymnasien. Im Blick haben wir auch die flächendeckende Weiterentwicklung aller beruflichen Schulen im Rahmen eines ganztägigen Angebots und die Gleichwertigkeit von allgemeinen und beruflichen Abschlüssen. Das Erfolgsmodell der Dualen Ausbildung , eine parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, ist und bleibt ein Eckpfeiler der beruflichen Bildung im Ländlichen Raum.

Innovative Forschung und gute Hochschulen im ganzen Land 

Hochwertige Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen gehören zu einem lebenswerten und wirtschaftsstarken Ländlichen Raum.. Starke Hochschulstandorte in ländlichen Regionen ermöglichen jungen Menschen eine akademische Ausbildung oder Weiterbildung in der eigenen Region. Fachkräfte mit Hochschulabschluss werden von vielen mittleren und größeren Unternehmen dringend gesucht.

Die Hochschulen  stärken darüber hinaus die kulturelle Vielfalt im Ländlichen Raum. 

Unser Land zeichnet sich dadurch aus, dass es in der ganzen Breite über gute Bildungseinrichtungen verfügt. Auch viele Hochschulen Baden-Württembergs befinden sich im Ländlichen Raum. Dazu kommen Duale Hochschulen (DHBW) in großer Zahl. Vom DHBW-Standort Lörrach ganz im Süden über Hochschulaußenstellen in Gengenbach, Geislingen und Göppingen bis nach Künzelsau und Bad Mergentheim halten wir an einer auch in der Fläche attraktiven Hochschullandschaft fest.

Soziales und Gesundheit

Soziale Netze, die halten und zusammenhalten – Auch im Alter dort leben, wo man zu Hause ist

Die Menschen sollen dort selbstbestimmt leben können, wo sie sich zu Hause fühlen. Besonders in unseren Ländlichen Räumen stehen wir angesichts des demographischen Wandels vor großen Herausforderungen. Wir wollen mit den Kommunen wohnortnahe Angebote schaffen und ambulante Strukturen stärken. 

Ältere Menschen wollen nicht in ein Pflegeheim in die Stadt ziehen. Oft fehlen allerdings passende Wohn-, Pflege- und Unterstützungsangebote. Wir werden mit einem Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege neue Möglichkeiten für Menschen mit Betreuungs-, Unterstützungs- und Pflegebedarf schaffen und möchten uns für die Förderung kleinteiliger und selbstbestimmter Wohnformen, wie Seniorenwohngemeinschaften und Quartierskonzepte, einsetzen.

Eine Stärkung der ambulanten und gemeindenahen Versorgung psychisch kranker Menschen im Ländlichen Raum ist uns ein wichtiges Anliegen. Ein psychisch kranker Mensch, der Schwierigkeiten hat, den Alltag allein zu bewältigen, wünscht sich einen Ort für Beratung und Gespräche in seiner Nähe, damit er einen Klinikaufenthalt vermeiden kann. Deshalb unterstützen wir die sozialpsychiatrischen Dienste in den Gemeinden. Sie erreichen die Menschen dort, wo sie zu Hause sind.

Menschen mit Behinderung wollen wir die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen ermöglichen. Dazu gehört es, auch im Ländlichen Raum die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern – auch durch wohnortnahe Unterstützungsangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten. Dabei kommt es vor allem auf die Barrierefreiheit  an.

Gesundheitsversorgung – Ärztinnen und Ärzte werden vor Ort gebraucht

Das Gesundheitssystem in Baden-Württemberg befindet sich in einem grundlegenden Wandlungsprozess: Vor allem kleinere Krankenhäuser sind heute oftmals nicht mehr wirtschaftlich und müssen von den Trägern geschlossen werden. In vielen Dörfern fehlen junge Hausärztinnen und Hausärzte.

Für eine bedarfsgerechte und hochwertige medizinische Versorgung im Ländlichen Raum bedarf es einer besseren Vernetzung zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten genauso wie einer Vernetzung zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen. Wir wollen mit regionalen Gesundheitskonferenzen zukünftig passgenaue Lösungen für jede Region entwickeln. Im stationären Bereich wird es nötig sein, bedarfsgenauer zu planen. Die Hochleistungsmedizin muss auf einzelne Standorte konzentriert werden. Für planbare komplizierte Operationen kann man weitere Wege auf sich nehmen, das gilt nicht für die Grundversorgung.

Grünes Leitbild ist gerade im Ländlichen Raum ein leistungsgerecht bezahlter Hausarzt, der ausreichend Zeit hat, seine Patientinnen und Patienten wohnortnah zu beraten. Dafür setzen wir uns auf Bundesebene ein. Wir wollen das Fach Allgemeinmedizin bereits im Studium besser verankern und mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin einrichten. Zudem halten wir es für sinnvoll, dass besonders qualifizierte Pflegekräfte heilberufliche Tätigkeiten aus dem Aufgabenbereich der Ärzte künftig selbstständig übernehmen. Die wohnortnahe Versorgung kann damit auch durch Pflegekräfte sichergestellt werden, die Hausbesuche machen, Prävention betreiben und vor allem eine patientenorientierte, gesprächsintensivere medizinische Betreuung ermöglichen.

Mobilität auf dem Land

Flexibel unterwegs mit Auto, Fahrrad, Bus und Bahn  

Die Mobilität der Menschen im Ländlichen Raum sieht heute und auch in Zukunft anders aus als in Städten und Ballungsräumen. Städtische Konzepte lassen sich nicht einfach übertragen. Das Auto wird in ländlichen Regionen weiterhin eines der wichtigsten Verkehrsmittel sein. Aber mit innovativen Verkehrskonzepten wollen wir die persönliche Mobilität unter Umweltgesichtspunkten fördern und beispielsweise den Schienenverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr fördern, sodass Möglichkeiten entstehen, immer öfter auf das Auto zu verzichten.

Die Bevölkerungsdichte ist insgesamt wesentlich geringer und wird sich durch den demographischen Wandel und Abwanderung weiter verringern. Gleichzeitig sind die Einzugsbereiche von Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen erheblich größer geworden. Die Menschen sind daher verstärkt auf das Auto angewiesen. Eine Alternative zum eigenen Auto können Car-Sharing-Angebote, Ruftaxis, Anrufsammeltaxi oder Bürgerbusse sein.

Sichere Radwege – Fahrradfahren als Alternative

Viele Menschen im Ländlichen Raum würden gerne für kürzere Strecken auf das Auto verzichten und das Fahrrad nutzen. Darum wollen wir mehr Geld für den Ausbau von Radwegen an Landesstraßen investieren und haben die sogenannte Bagatellgrenze für den Radverkehr im Ländlichen Raum herabgesetzt, die bislang oftmals eine Förderung kleinerer örtlicher Maßnahmen verhinderte.

Strom im Tank – Mobilität ja, Abgase nein

Auch die Elektromobilität bietet für den Ländlichen Raum Chancen für klima- und umweltfreundliche Mobilitätsformen. Pedelecs (Fahrräder mit Elektromotor) erhöhen die Reichweite gegenüber herkömmlichen Fahrrädern. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat den Ideenwettbewerb ‚Elektromobilität im Ländlichen Raum‘ ausgelobt, mit dem innovative Lösungen für die besonderen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in ländlich geprägten Gemeinden gewonnen werden sollen. Dazu gehört auch eine umwelt- und klimagerechte Neuausrichtung des Berufspendlerverkehrs zwischen Land und Stadt. Hier forscht zum Beispiel die Hochschule Heilbronn mit Unterstützung des Landes.

Grünes Ziel für eine nachhaltige Stärkung der Elektromobilität ist, dass der Strom aus regenerativen Energien gewonnen wird und vor Ort entsprechende Energiekonzepte erstellt werden.

Attraktive Ortskerne – kurze Wege

Städte und Gemeinden mit attraktiven Ortskernen, in denen vieles zu Fuß erreichbar ist, führen zu kurzen Wegen. Auch deshalb unterstützen wir die Gemeinden bei der Aufwertung der Ortskerne und der Wieder-Nutzung innerörtlicher Flächen statt der Expansion auf großen Flächen an den Ortsrändern. 

Kultur

Vielfältig und lebendig -  Landkultur im Kulturland Baden-Württemberg.

Für uns ist die Unterstützung von Kultur in ihrer ganzen Vielfalt und Breite im Land ein wichtiger politischer Schwerpunkt. Alte Grenzziehungen zwischen Tradition und Avantgarde, Provinz und Metropole haben an Bedeutung verloren. Mundart ist schon lange nicht mehr hinterwäldlerisch, lebendige Kunst und Kultur gedeihen im ganzen Land.

Kultur und Kulturpolitik stellen eine wichtige Voraussetzung für die heimatliche Verbundenheit im Ländlichen Raum dar. Dazu gehören die Angebote von Stadttheatern, Volkshochschulen und öffentlichen Bibliotheken genauso, wie Musik- und Kunstschulangebote in den ländlichen Gemeinden Baden-Württembergs. Für die Stärkung regionaler Eigenständigkeit haben Lokalzeitungen, Internetplattformen und Rundfunkprogramme eine wichtige Funktion.

Kultur im Ländlichen Raum lebt nicht zuletzt vom Engagement vieler Menschen: in Musikvereinen, in Kunstvereinen, in soziokulturellen Zentren, in Jugendinitiativen, in der Denkmalpflege oder im Erhalt des lokalen Brauchtum. Sie leisten damit aktiv einen bürgerschaftlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der baden-württembergischen „Kulturlandschaft“.

Miteinander für den Erhalt der Heimat

Ehrenamt - Wertvoller Einsatz  für die Gesellschaft

Gütesiegel des Landes – und eine Besonderheit unter allen Bundesländern – ist die große Anzahl seiner im Ehrenamt engagierten Menschen, die besonders das Leben in unseren Dörfern prägen und gestalten. Sie bauen Spielplätze, organisieren Feste, erhalten Kulturgüter, ermöglichen ein lebendiges Vereinsleben, kümmern sich um Ältere, trainieren Jugendliche im Sportverein, engagieren sich bei der Feuerwehr und sind allesamt unersetzlich für das soziale Leben auf dem Land. Dieses Engagement ist ein Schatz und soll weiter unterstützt und gefördert werden.

Integration – Vielfalt willkommen heißen

Von uns Baden-Württembergerinnen und Baden-Württembergern haben 26 Prozent einen Migrationshintergrund. Im Ländlichen Raum ist der Anteil an Zugewanderten aus dem Ausland etwas niedriger als im Landesdurchschnitt. Doch viele Orte sind mittlerweile von einer internationalen kulturellen Vielfalt geprägt.

Integration betrachten wir als wechselseitigen Prozess. Wir wollen keine Parallelgesellschaften, sondern ein gelebtes Miteinander. Nur wenn Integration gelingt, bringen sich die Menschen für ihr Umfeld und ihre neue Heimat ein. Integration birgt auch für die Ländlichen Räume große Potenziale. Wir wollen in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, von engagierten Bürgerinnen und Bürgern und staatlichen Stellen diese Potenziale stärker als bisher aktivieren. Wir unterstützen auch aus diesem Grund das Ehrenamt und die Vereine, denn sie spielen eine wichtige Rolle bei der Integration von Aussiedlerinnen und Aussiedlern, Zugewanderten, Flüchtlingen und Asylsuchenden.

Wir wollen eine Einwanderungspolitik, mit der wir dem Fachkräftemangel begegnen und damit die baden-württembergische Wirtschaft stärken können. Auf der anderen Seite darf nicht Herkunft, Hautfarbe oder religiöses Bekenntnis den Zugang zum Arbeitsmarkt entscheiden, sondern allein die Qualifikation. Das Land geht daher bei der Einführung von anonymisierten Bewerbungsverfahren mit gutem Beispiel voran.

Individualität und Toleranz

Kulturelle Vielfalt bildet sich sowohl in den Städten als auch im Ländlichen Raum in Lebensformen ab, die manchmal noch um Akzeptanz ringen und obwohl sie andererseits selbstverständlich zu unserer Gesellschaft dazugehören. Wir wollen noch besser dafür sorgen, dass beispielsweise Menschen jeglicher sexuellen Orientierung überall in Baden-Württemberg ohne Angst vor Diskriminierung leben können. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gesellschaft und Politik werben wir für mehr Toleranz – auch im Ländlichen Raum. Durch einen Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung erhöhen wir die Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt vor allem im Bildungsbereich und in der öffentlichen Verwaltung.

Schwäbische Alb - Foto: Jürgen Fälchle - Fotolia.com
Baden-Württemberg ist tatsächlich sehr ländlich geprägt: Mehr als zwei Drittel unserer Landesfläche zählen zum Ländlichen Raum. Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger lebt hier und auch fast ein Drittel der gesamten Wertschöpfung des Landes wird von Ihnen

Zum Mitnehmen

Wer lieber auf klassischen A4-Seiten liest, oder das Positionspapier der Grünen im Landtag ausdrucken möchte, findet hier eine PDF-Version.

Ihr Kontakt

Sandra Boser

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende
AK-Vorsitzende Bildung
Bildungspolitische Sprecherin

Muhterem Aras

Landtagspräsidentin

Theresia Bauer

Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Bea Böhlen

Vorsitzende Petitionsausschuss

Jürgen Filius

AK-Vorsitzender Recht und Verfassung
Rechtspolitischer Sprecher
Sprecher für Hochschulmedizin

Josha Frey

AK-Vorsitzender Europa und Internationales
Europapolitischer Sprecher
Suchtpolitischer Sprecher

Petra Häffner

Sprecherin für Polizeipolitik und Sportpolitik

Martin Hahn

Vorsitzender des Ausschusses für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Agrarpolitischer Sprecher

Willi Halder

Sprecher für Kirchen und Religionsgemeinschaften

Manfred Kern

Kulturpolitischer Sprecher
Sprecher für kulturelle Bildung

Winfried Kretschmann

Ministerpräsident

Daniel Lede Abal

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender
Sprecher für Migration und Integration

Siegfried Lehmann

am 30.04.2016 aus der Fraktion ausgeschieden

Andrea Lindlohr

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Vorsitzende des AK Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau
Wirtschaftspolitische Sprecherin

Brigitte Lösch

Vorsitzende des Ausschusses für Kultus, Jugend und Sport
Sprecherin für frühkindliche Bildung
Sprecherin für Belange von LSBTTIQ

Manne Lucha

Minister für Soziales und Integration

Thomas Marwein

Lärmschutzbeauftragter des Landes

Bärbl Mielich

Staatssekretärin im Sozialministerium

Dr. Bernd Murschel

Umweltpolitischer Sprecher

Reinhold Pix

Tourismuspolitischer Sprecher
Sprecher für Wald und Wild
Sprecher für Weinbau

Thomas Poreski

AK-Vorsitzender Soziales/Integration, Sprecher für Menschen mit Behinderung/Inklusion, Sprecher für Jugend, Kinder, Familie und Technologiepolitik

Daniel Renkonen

Klimapolitischer Sprecher

Dr. Markus Rösler

Naturschutzpolitischer Sprecher

Alexander Salomon

AK-Vorsitzender Wissenschaft/Forschung/Kunst
Sprecher für Medien / Netzpolitik
Sprecher für Wissenschaft und Hochschule

Alexander Schoch

Arbeitsmarktpolitischer Sprecher
Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz

Andreas Schwarz

Fraktionsvorsitzender

Uli Sckerl

Parl. Geschäftsführer
AK-Vorsitzender Innenpolitik
Innenpolitischer Sprecher
Sprecher für Datenschutz und Informationsfreiheit

Edith Sitzmann

Finanzministerin

Franz Untersteller

Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Magazin "Grünraum"

Foto: S. Külcü/fotolia.com

Baden-Württemberg ist geprägt von liebens- und lebenswerten Ländlichen Räumen. Unser Magazin "Grünraum" zeigt ihre Vielfalt und wie wir diese bewahren wollen.

"Im GRÜNEN daheim"

© Janusz Klosowski / Pixelio.de
© Janusz Klosowski / Pixelio.de

Die Regionalkonferenzen in Hechingen, Bad Saulgau, Bühl, Mosbach und Schönau waren ein Erfolg und brachte viele Ideen. Der Kongress "Im GRÜNEN daheim" fasste sie zu Zukunftskonzepten zusammen. Zum Bericht