Landtag Baden-Württemberg
Pressemitteilung | 23.04.2012

Arm ist nicht nur, wer wenig Geld verdient

Mit dem am Montag vorgestellten Report zur Armutsgefährdung ist ein erster Schritt zu einer umfassenden Armuts- und Reichtumsberichterstattung gemacht, freut sich Thomas Poreski, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion Grüne.

Auch wenn der Report zeigt, dass jede siebte Familie im Land von Armut gefährdet ist, fehlen noch wichtige Hintergründe. Weil das Land eine Strategie gegen Armut braucht, muss es wissen, was dazu führt, dass jemand arm oder armutsgefährdet ist", sagt Poreski.

"Die untersten 20 Prozent sind im Durchschnitt verschuldet. Vor 20 Jahren hatten sie noch einen Anteil am Volksvermögen von immerhin vier Prozent", berichtet Poreski. Arm sei aber nicht nur, wer wenig Geld verdient. Auch schlechte Bildungsabschlüsse und Berufschancen, eine prekäre Wohn- und Gesundheitssituation, mangelhafte soziale und kulturelle Teilhabe seien Indikatoren für Armut. Politik gegen Armut und soziale Ausgrenzung, Politik, die den sozialen Zusammenhalt stärkt, sei daher auf eine solide Datenbasis angewiesen.

Dabei gehe es sowohl um Zahlen zur Beschreibung der Lage, sagt Poreski, als auch um die Wirkungskontrolle von politischen Strategien. "Wir wollen beispielsweise wissen, wie sich die Verwaltungsreform von 2005 auf die Angebote der Wohnungslosenhilfe und auf die Zahl der Obdachlosen ausgewirkt hat."

Deshalb müsse der aktuelle Report in einen umfassenden Armuts- und Reichtumsbericht münden, der nicht nur auf Daten basiert, sondern auch systemische Zusammenhänge beleuchtet und die Perspektive der Betroffenen einbezieht. Einen solchen Bericht mit klaren Handlungsempfehlungen für die Landespolitik müsse es künftig jede Legislaturperiode geben, sagt der Sozialexperte.

Wofür eine Armutsberichterstattung?

In Baden-Württemberg werden schon seit Jahren Daten zur Armutsgefährdung erhoben, die in die Berichterstattung des Bundes und der Europäischen Union eingehen. Sie werden jedoch nicht in einem Dokument zusammengeführt und einer gezielten politischen Bewertung durch den Landtag, die Landesregierung und die Zivilgesellschaft unterzogen. Diesen zusätzlichen Schritt, den andere Bundesländer bereits getan haben, will die neue Mehrheit im Landtag gehen.

Foto "Armut: Christian Pohl  / pixelio.de

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