Landtag Baden-Württemberg

Theresia Bauer: Nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Politik ist für Erfolg oder Misserfolg der Bologna-Reform verantwortlich – Studierende beteiligen

Auf Antrag der Grünen wird der baden-württembergische Landtag nächste Woche die Ziele des bundesweiten Bildungsstreiks in einer Aktuellen Debatte diskutieren. "Die Studierenden haben den Politikern die Augen geöffnet, und die Protestaktionen zeigen Wirkung", sagte die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag Theresia Bauer. Noch nie sei einer Studentenbewegung soviel Verständnis für ihre Kritik und ihre Forderungen von den unterschiedlichsten Seiten entgegengebracht worden. "Dabei darf es aber nicht bleiben - die Politik muss endlich sagen, wohin die Reise geht." Denn dass die Bologna-Reform gravierende Umsetzungsfehler hat und zu scheitern droht, ist offensichtlich. Die wiederholten Versuche von Minister Frankenberg, die Reform als Erfolgsgeschichte darzustellen, müssten vor diesem Hintergrund entweder als Ignoranz oder als Realitätsverlust gedeutet werden.
Bauer: "Wir brauchen eine Reform der Reform, wir brauchen einen Plan B. Wenn nicht rasch etwas geschieht, werden Generationen von Studierenden zu Opfern mangelnder Studienbedingungen und miserabel konstruierte Studiengänge, überfrachtet, schlecht ausgestattet, in ein enges Zeitkorsett gepresst und die Ziele der Bolognareform weit verfehlend."
Die Forderungen der Grünen: Die Einrichtung einer Bachelor-Konferenz für den Austausch unter den Hochschulen, um Qualitätsstandards zu entwickeln und für die nötige Öffentlichkeit zu sorgen. Wichtig dabei sei, die Studierenden selbst daran zu beteiligen. "Bologna kann nur gelingen, wenn diejenigen, die von der Reform am stärksten betroffen sind, nämlich die Studierenden selbst, endlich konsequent  in die Überarbeitung der Studiengänge einbezogen werden", ist Theresia Bauer überzeugt. "Ihre Beteiligung als Experten in eigener Sache muss wesentlich stärker als bisher institutionell verankert werden." Ein erster Schritt dafür ist nach Ansicht der Abgeordneten die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten sei es nicht akzeptabel, dass Studierende in Baden-Württemberg nicht die gleichen demokratischen Mitspracherechte haben wie in 14 anderen Bundesländern.
Es müsse ein neues Modell der leistungsorientierten Mittelverteilung geben, mit dem Anreize für die Aufnahme von Studienanfängern geschaffen werden, mehr internationale Mobilität erreicht wird und Anreize gegen Studienabbruch geschaffen werden. Bauer:
"Um Auslandsaufenthalte und Auslandssemester zu integrieren müssen Mobilitätsfenster vorgesehen werden - die nationale und internationale Mobilität der Studierenden ist dramatisch zurückgegangen. Wir brauchen eine Verbesserung der Studierbarkeit, eine flexiblere Handhabung der Regelstudienzeiten und eine Reduzierung des unübersichtlichen Studienangebots."
Theresia Bauer abschließend: "Die neuen Studiengänge der Bologna-Reform müssen auf den Prüfstand, und der Landtag ist der richtige Ort, diese Debatte jetzt zu führen."